Ken Tyrrell

( 03.05.1924 / GB - 25.08.2001 Surrey / GB )

Als Ken Tyrrell 1967 mit seinem Team in die Formel 1 einstieg, hatte er bereits eine ansehnliche Motorsport-Karriere hinter sich. Nachdem sich der Brite einige Jahre lang mit Autos in der britischen Formel Junior und der Formel 2 beschäftigt hatte, übernahm er 1965 kurzfristig das Cooper-Team in der Formel 1. Der Besitzer, John Cooper, verletzte sich bei einem Verkehrsunfall schwer und Tyrrell übernahm die operative Führung. Wenig später wurde das Team an die Chipstead Motor Group verkauft und Tyrrell betrieb in dieser Zeit zwei Matra-BRMs in der Formel 2. Ein Jahr später war es soweit: Als die berühmten Cosworth DFV Motoren verfügbar waren, entschied sich Tyrrell, mit einem Matra-Chassis als Matra International in der Formel 1 an den Start zu gehen. Der damalige Youngster Jackie Stewart konnte mit dem Paket auf Anhieb den zweiten Platz in der Weltmeisterschaft erreichen.
1970 heuerte Tyrrell den Konstrukteur Derek Gardner an und erteilte ihm den Auftrag, das erste Tyrrell Formel-1-Chassis zu bauen. Der brandneue Tyrrell-DFV 001 wurde im Spätsommer fertig, wobei die ersten Erfolge noch ausblieben. Über den Winter wurde das Chassis revidiert und verfeinert, was sich in der darauf folgenden Saison auszahlen sollte. 1971 wurde das wohl erfolgreichste Jahr für Tyrrell. Jackie Stewart hatte im Tyrrell-Ford die Konkurrenz fest im Griff und wurde mit sechs Saisonsiegen überlegener Weltmeister. Das Team sicherte sich ebenso klar den Konstrukteurstitel, wozu auch der zweite Fahrer Francois Cevert massgeblich beigetragen hatte. Zwei Jahre später kann Jackie Stewart das Kunsstück wiederholen und feiert seinen dritten Weltmeistertitel in der Formel 1. In der Konstrukteurswertung muss sich Tyrrell jedoch knapp durch Lotus geschlagen geben. 1976 sorgte Tyrrell mit einer ungewöhnlichen Konstruktion für Aufsehen und konstruierte mit dem P34 den ersten Formel 1 mit drei Achsen.
Zuerst wurde die Konstruktion belächelt, aber ein Doppelsieg von Jody Scheckter und Patrick Depailler beim GP von Schweden 1976 zeigt, dass das Potential vorhanden war. Kurze Zeit später wurde der sechsrädrige Tyrrell verboten. Ken Tyrrell musste häufig um das Überleben seines Teams kämpfen, immer wieder fehlte das nötige Kleingeld. 1979 begann der langsame Abstieg des Teams, als sich die französische Firma ELF entschied, bei Tyrrell als Sponsor auszusteigen. Zwar konnte Michele Alboreto 1982 in Las Vegas und 1983 in Detroit nochmals gewinnen, es waren jedoch die beiden letzten Siege für das Tyrrell-Team. Tyrrell war in der Folge nicht mehr so konkurrenzfähig wie früher, zeigte sich jedoch als ausgezeichnetes Sprungbrett für diverse Fahrertalente. Stefan Bellof, Michele Alboreto, Martin Brundle und Jean Alesi sind die wohl bekanntesten Namen, die bei Tyrrell das Handwerk erlernen durften. Wegen der finanziellen Schwierigkeiten verlor Tyrrell jedoch die jungen Fahrer meistens nach einer Saison wieder und geriet so in einen Teufelskreis im Kampf um Sponsoren. 1989 ging dies sogar so weit, dass Ken Tyrrell seinen 65. Geburtstag am Steuer eines Teamtransporters feierte. Wegen akutem Personalmangel fuhr der Chef höchtspersönlich einen der Sattelschlepper zum Rennen nach Monaco. 1997 ging dem Team langsam das Geld aus und Ken Tyrrell entschloss sich, nach langem hin und her, sein Team zu verkaufen. Für rund 70 Millionen Mark verkaufte er das Team an British American Tobacco. 1998 war die letzte Saison des Tyrrell-Teams, die man ohne einen WM-Punkt beenden musste.
Die Infrastrukturen und der Grossteil der Mitarbeiter von Tyrrell wurden von BAT übernommen und in British American Racing (BAR) umgewandelt. Nachdem 1999 bei Ken Tyrrell Bauchspeicheldrüsen-Krebs diagnostiziert wurde, kämpfte der Brite bis zuletzt um sein Leben. Am 25. August 2001 starb Tyrrell im Alter von 77 Jahren in seinem Haus in Surrey (England). Für seine Hingabe zum Motorsport und seine Verdienste in den 31 Jahren als Teamchef, wird Ken Tyrrell der Formel 1 immer erhalten bleiben.